Makler oder Privatverkauf: Was lohnt sich 2026?
Der deutsche Immobilienmarkt erholt sich – langsam, aber spürbar. Im Jahr 2026 sind die Häuserpreise in Großstädten um 3,1 % gestiegen, in ländlichen Regionen sogar um 3,2 %. Wer jetzt verkaufen will, steht früher oder später vor einer Entscheidung, die viele unterschätzen: Makler oder Privatverkauf? Klingt simpel. Ist es aber nicht.
Ich erlebe das regelmäßig in Beratungsgesprächen. Eigentümer kommen mit einer fertigen Meinung – und merken dann im Gespräch, dass die Realität deutlich vielschichtiger ist als das, was sie auf irgendwelchen Ratgeberseiten gelesen haben. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, das wirklich durchzudenken. Nicht oberflächlich, sondern so, wie es Ihre Situation verdient.
Makler oder Privatverkauf: Kosten im Vergleich
Auf den ersten Blick wirkt der Privatverkauf günstiger. Logisch – kein Makler, keine Provision. Aber dieser erste Blick trügt.
Beim Maklerverkauf fallen Gebühren von 5,95 bis 7,14 % des Kaufpreises an, seit der Reform 2020 zwischen Käufer und Verkäufer aufgeteilt. Bei einem Verkaufspreis von 300.000 € zahlen Sie als Verkäufer also rund 10.710 €. Dafür bekommen Sie allerdings auch etwas: Immobilienbewertung, professionelles Exposé, Fotografie, Vermarktung auf den großen Portalen – und jemanden, der den ganzen Prozess für Sie steuert.
Beim Privatverkauf summieren sich die Direktkosten auf rund 3.300 bis 5.600 €: Immobilienbewertung (1.800–2.500 €), Energieausweis (100–500 €), Verkaufsdokumente (ca. 100 €), Exposé (19–500 €), Fotografie (200–800 €) und Insertionskosten (100–300 €). Klingt nach einem klaren Vorteil, oder? Dann rechnen wir weiter.
Dazu kommen Opportunitätskosten, die viele schlicht vergessen. 100 bis 160 Stunden Eigenaufwand – realistisch bewertet mit 50 € pro Stunde – das sind 5.000 bis 8.000 € an entgangener Zeit. Plötzlich schrumpft der vermeintliche Kostenvorteil erheblich. Manchmal verschwindet er ganz. Wer also die Frage Makler oder Privatverkauf rein auf Basis der offensichtlichen Gebühren beantwortet, denkt zu kurzfristig.
Zeitaufwand und Vermarktungsreichweite: Der unterschätzte Faktor
Beim Maklerverkauf ist Ihr persönlicher Aufwand überschaubar. Erstgespräch, Vor-Ort-Termin, Vertragsunterzeichnung, Zugang für den Fotografen, Notartermin – das sind in der Summe 4 bis 5 Stunden. Der gesamte Verkaufsprozess dauert typischerweise 6 bis 8 Wochen. Sie müssen nicht an jedem Wochenende für Besichtigungen zur Verfügung stehen.
Beim Privatverkauf sieht das anders aus. Deutlich anders. Unterlagenbeschaffung, Exposé selbst schreiben, E-Mails beantworten, Besichtigungstermine koordinieren, Interessenten einschätzen, Nachverhandlungen führen, Vertragsdetails abstimmen – da kommen 100 bis 160 Stunden schnell zusammen. Die Gesamtdauer? Durchschnittlich 8 bis 16 Wochen. Und das alles ohne die Strukturen, die ein erfahrener Makler mitbringt.
Makler haben interne Datenbanken mit 50 bis 350 vorgemerkten, vorqualifizierten Interessenten. Kein privater Verkäufer kann das replizieren. Sie inserieren auf denselben Portalen, zahlen aber mehr dafür – und haben keine Möglichkeit, vorab zu prüfen, wer sich da eigentlich meldet. Das kostet nicht nur Zeit, sondern manchmal auch Nerven.
Rechtliche Risiken und steuerliche Aspekte
Hier wird es ernst. Und ich sage das nicht, um Sie zu erschrecken, sondern weil dieser Punkt in vielen Ratgebern viel zu knapp behandelt wird.
Die Spekulationsfrist von 10 Jahren gilt unabhängig davon, ob Sie sich für Makler oder Privatverkauf entscheiden. Veräußern Sie die Immobilie innerhalb dieses Zeitraums nach dem Kauf, kann Steuer anfallen – außer bei Eigennutzung. Das ist keine Kleinigkeit.
Dazu kommt die Offenbarungspflicht: Alle bekannten Mängel müssen offengelegt werden. Kein Wenn und Aber. Der Energieausweis muss bereits bei der Anzeige vorliegen – nicht beim Notartermin, sondern beim ersten Inserat.
Der entscheidende Unterschied liegt beim Haftungsrisiko. Beim Privatverkauf tragen Sie das volle Risiko allein. Ein Fehler bei der Mängeloffenlegung, eine missverständliche Formulierung im Kaufvertrag – das kann teuer werden. Beim Maklerverkauf wird ein Teil dieses Risikos mitgetragen, vor allem bei fehlerhafter Beratung durch den Makler selbst. Das ist kein unwichtiges Detail.
Wann lohnt sich welcher Weg? Makler oder Privatverkauf im direkten Vergleich
Den einen richtigen Weg gibt es nicht. Das wäre zu einfach.
Der Privatverkauf macht Sinn, wenn Sie bereits einen potenziellen Käufer aus dem Bekanntenkreis haben, wenn Sie wirklich Zeit und Nerven mitbringen – und wenn Sie sich im Thema auskennen. Auch bei Immobilien mit sehr speziellen Eigenschaften für einen Nischenmarkt kann der direkte Weg funktionieren.
Den Maklerverkauf empfehle ich dagegen klar, wenn:
- Sie beruflich stark eingebunden sind und keine 100–160 Stunden aufbringen können,
- Ihre Immobilie in einem Markt liegt, wo Angebot und Nachfrage nah beieinanderliegen,
- die Immobilie Mängel oder Renovierungsbedarf hat – das braucht Fingerspitzengefühl beim Präsentieren,
- Zeit eine Rolle spielt,
- oder Sie schlicht emotionalen Abstand vom Verhandlungsprozess wollen. Den unterschätzen viele.
Eine Option, die ich oft empfehle und die vielen Eigentümern gut passt: der einfache Makleralleinauftrag. Der Makler arbeitet aktiv, Sie dürfen parallel selbst suchen. Finden Sie eigenständig einen Käufer, entfällt die Provision. Das klingt nach dem besten aus beiden Welten – und ist es in vielen Fällen auch. Gerade für diejenigen, die bei der Abwägung zwischen Makler oder Privatverkauf keinen klaren Favoriten haben, ist dies eine flexible Lösung.
Fazit: Individuell entscheiden, professionell handeln
Pauschale Antworten helfen hier nicht weiter. Zu unterschiedlich sind die Ausgangslagen, zu individuell die Immobilien, zu verschieden die Lebensrealitäten der Verkäufer.
Was ich Ihnen sagen kann: Für die meisten Eigentümer in Deutschland bietet der Maklerverkauf handfeste Vorteile. Er spart Zeit, verteilt das rechtliche Risiko und erzielt in der Regel einen höheren Verkaufspreis. Privatverkäufer erzielen im Schnitt 5 bis 15 % niedrigere Preise. Das klingt nach einer Zahl – aber bei einer Immobilie im Wert von 400.000 € sind das bis zu 60.000 €. Die Provision schaut dann plötzlich ganz anders aus. Wer die Entscheidung zwischen Makler oder Privatverkauf also wirklich durchrechnet, kommt häufig zu einem überraschenden Ergebnis.
Wenn Sie sich unsicher sind oder Ihre persönliche Situation einmal durchdenken wollen, sprechen Sie mit Thomas Lozinski von der Calvest GmbH. Kein Verkaufsgespräch, kein Druck. Einfach eine ehrliche Ersteinschätzung. Zu finden unter calvest.de.


